Wann ist ein Mann ein Mann?

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Wann ist ein Mann ein Mann?

… fragte sich schon im Jahr 1984 Herbert Grönemeyer. Im Zuge der lautstarken Feminismus-Debatten gerät die Männeridentität immer mehr ins Hintertreffen. Oder wird sie gerade dadurch neu in den Fokus gerückt? Wo Geschlechterrollen noch bis in die 1960er-Jahre klar definiert waren, herrscht heute beim starken Geschlecht immer mehr Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität. Die Wissenschaft, Autoren und sogar Weltkonzerne beschäftigen sich zunehmend mit der neuen Rolle des Mannes, die gar nicht so leicht zu finden ist.

 

Ein kurzer Blick auf die Geschichte

Nach der Ära der Jäger und Sammlerinnen, in der man vielleicht am ehesten von einer Gleichberechtigung sprechen konnte, saß der Mann bis ins 20. Jahrhundert hinein – zumindest gesellschaftlich gesehen – am längeren Hebel. Die Rollen waren klar verteilt: hier der Mann als Oberhaupt der Familie und Versorger, dort die Frau als Hausfrau und Mutter. Hierarchische Strukturen prägten das Zusammenleben, das erst im Zuge der bürgerlichen und industriellen Revolution aufgebrochen wurde. Die aufkommende Trennung der Teilbereiche „Privat“ und „Öffentlichkeit“ führten zwar zu überraschenden Gegenentwürfen wie dem frühen „Softie“, einem empfindsamen, sensiblen und feinfühligen Männertypus – die klassische Rollenverteilung blieb aber weitgehend erhalten. Erst mit der berühmten 1968er-Generation kamen die etablierten Rollenbilder ordentlich in Bewegung. Die Frauenbewegung, der Wunsch nach Freiheit und nach dem Aufbrechen alter Strukturen läuteten ein neues Zeitalter ein, in dem der Mann eine neue Rolle einnehmen würde. Aber … welche?

 

Mannigfaltig!

Auf der Suche nach einer neuen Identität hat der Mann vieles ausprobiert. Vom Yuppie über den Macho bis zum Nerd gab es zahlreiche Ideen für das neue Mannsbild. In Film und Fernsehen konnte man beobachten, wie aus dem stilvollen Vorstadtvater mit Mantel und Hut ein muskulöser Weltretter, ein modebewusster Selfmade-Man oder ein depressiver Loser wird. Heute sehen sich Männer mit vielen Anforderungen gleichzeitig konfrontiert. Wo es früher vor allem die Funktion des Versorgers zu erfüllen gab, wird heute erwartet, dass „Mann“: beruflich erfolgreich, liebevoller Familienvater, treuer Ehemann, handwerklich begabt, technisch versiert, modebewusst, sportlich, gepflegt, selbstbewusst, verständnisvoll, empathisch, wenn es sein muss aber auch männlich, dominant und ein guter Beschützer ist. Das Schwierige dabei ist nicht nur die Vielzahl der Erwartungen, sondern vor allem die Widersprüchlichkeit. Wie soll „Mann“ gleichzeitig verlässlicher Partner und abenteuerlustiger Rebell sein? Darf „Mann“ Gefühle zeigen, oder passt das nicht zum starken Geschlecht? Wie „männlich“ ist es denn, wenn man sich für Mode und Make-up interessiert?

 

Das Gender-Paradoxon

Ein weiterer spannender Aspekt ist das sogenannte „Gender-Paradoxon“. Es besagt: Je mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen erreicht wird, desto stärker wollen wir uns vom anderen Geschlecht differenzieren. So erscheinen zum Beispiel seit einigen Jahren immer mehr Magazine für „echte Männer“, die ein bisschen Dunkelblau ins rosarote Zeitschriftenregal bringen sollen. Der Trend zum Vollbart-Holzfällerhemd-Look und die neue Rindfleisch-Passion zeigen: Männer suchen nach ihrer Position in der Gesellschaft. Gleichzeitig scheinen aber auch der metrosexuelle Beckham-, unzerstörbare Daniel-Craig-Typen und androgyne Jeggings-Träger für die neue Männlichkeit zu stehen. Wie soll „Mann“ es denn da schaffen, seine Identität zu finden?

Die Antwort darauf muss wohl jeder für sich finden. Grundsätzlich gilt aber: Je weniger eine Identität von außen, von der Gesellschaft oder anderen Institutionen, vorgegeben ist, desto mehr Möglichkeiten für die Selbstfindung ergeben sich. Und das ist doch mal eine gute Nachricht! Wo die männliche Identität jahrhundertelang auf seine Rolle in der Arbeitswelt beschränkt war, kann er seinen USP heute selbst definieren. Die Work-Life Balance spielt dabei keine unwichtige Rolle, denn: Wenn Einkommen und beruflicher Erfolg nicht mehr zu den Kernaufgaben eines Mannes gehören, bleibt mehr Zeit für die eigenen Interessen. Das heutige Männerbild ist sehr vielfältig: Der Hausmann, der sich um die Kinder kümmert, ist genauso ein echter Mann wie der Profi-Fußballer, der Top-Manager oder der Sozialarbeiter.

 

It’s up to you, man!

Egal, welche Rolle du für dich findest: Voraussetzung für ein langes, glückliches Leben ist deine Gesundheit. Darum sei ein Mann und geh zur Vorsorge! Dann bist du nicht nur ein „Typ“, sondern auch ein Held – denn Vorsorge kann Leben retten. Mehr Infos findest du auf www.heldencheck.at!

 

Quelle:
https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/maennerbilder-fuer-die-zukunft/ Typisch weiblich, typisch männlich? Entwicklung von Männer- und Frauenrollen (2015): Carolin Steger. Grin Verlag.